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aktualisiert     am: 1.11.2010

Stabilitätsberechnungen – alles nur graue Theorie ?

Kritisch betrachtet: Wer kennt die genauen Größen ? Winddruck auf eine ebene Fläche bei Windstärke 4 = 19 bis 39 N/m² ??? (laut meiner Tabelle) Winddruck auf Rigg und Überwasserschiff ? Wirklicher Winddruck auf profilierte und schräg stehende Segel ? Auswirkung des Lateralwiderstands ? Wellenwiderstand ? Dynamischer Auftrieb ? Druck- und Saugwirkung (Wellental) bei schneller Fahrt ? Berechnungen können daher nur Überschlagrechnungen am Beispiel eines stillstehendes Schiffes, platten Segeln und glatter Wasserfläche sein. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, baut man ein konkretes Vorbild nach und hat alle technische Daten, sollte man auch alle Abmessungen und Verdrängung maßstabsgetreu beibehalten, geringere Rumpfgewichte sind möglichst zu erreichen um den Ballastanteil zu erhöhen, und mit 50 % Ballastgewicht, ist dann das Boot auch kentersicher. Wird der Ballast unter dem eigentlichen Kiel strömungsgünstig angebracht, erreicht man sicherlich auch eine ausreichende Stabilität und das Modell segelt so “schlecht” wie das Original! Wer unsicher ist, kann den Kiel um 20 % verlängern, oder das Ballastgewichtsverhältnis erhöhen. Aber bedenke – bei Sturm reffen die Originale! Dennoch – eine Kontrollrechnung kann man ja mal machen.

Berechnungen

Da ich fast nur Segelschiffe nach Vorbildern gebaut habe, kamen Berechnungen für mich kaum in Frage. Einmal habe ich so viele Schiffe gebaut, dass ich oft nur nach Augenmaß gearbeitet habe. Bei Modellen nach Vorbildern waren mir mindestens immer die technischen Daten bekannt und ich habe versucht diese einzuhalten. Meine hauptsächlichsten Änderungen betrafen eine geringfügige Segelverkleinerung (Abflachung der Achterlieksrundung) und eine geringe Kielverlängerung. Damit bin ich immer gut gefahren. Das beste Beispiel hierzu ist meine DREAM 43. An dieser wurde nur der Kiel um 2 bis 3 cm verlängert. Alle anderen Abmessungen entsprechen maßstäblich dem Original.

Bei der Entwicklung eines bestimmten Schiffstyps geht es aber nicht immer ohne rechnen. Dennoch auch wenn die Rechnung noch so ausgefeint ist, alle errechneten Werte können nur angenäherte Werte sein, da die Praxis erst die wirklichen Ergebnisse zeigt.

Vorgaben: Rumpflänge: max. 100 cm; Rumpftiefe: max. 4 cm; Verdrängung: min. 4 kg – aber möglichst auch nicht mehr um ein möglichst schnelles Boot zu erhalten.

Berechnung der Verdrängung

Wird die Konstruktion mit Hilfe eines Computers erstellt, rechnet dieser uns ganz problemlos das Volumen aus. Konstruiert man selbst am Zeichenbrett, so wie ich es immer getan habe, kann man eine Rechnung kaum umgehen. Aber ganz genau wird es auch nicht, jedoch ist die beschriebene Methode ausreichend.

Nach dem Entwurf der Spanten werden diese im Bereich des Unterwasserschiffes in zentimetergroße Kästchen aufgeteilt. Dann zählt man in jedem Spantenriss zur Hälfte die Kästchen aus, um ungefähr den Flächeninhalt zu ermitteln. Dann zählt man die Kästchen der jeweils aneinanderliegenden halben Spanten zusammen und erhält somit einen Flächendurchschnittswert für den Raum zwischen diesen beiden Spanten. Dieser Flächenwert wird dann mit dem jeweiligen Spantenabstand multipliziert und man erhält das Volumen. So verfährt man mit jedem Spantenzwischenraum. Am Ende werden die einzelnen Volumenteilbeträge addiert um das Gesamtvolumen zu erhalten. Hierbei ist immer mit den selben Einheiten zu rechnen um Fehler zu vermeiden. Ist das gewünschte Ergebnis nicht erreicht worden, muss der Spantenriss entsprechend vergrößert oder verkleinert werden. Hierzu ist dann leider nochmals eine komplette Korrektur des Aufrisses erforderlich. Gleichzeitig kann auch durch entsprechende Aufteilung der Verdrängungsschwerpunkt festgelegt werden. Günstig ist es, wenn bei dieser Bootsgröße der Verdrängungsschwerpunkt in der Schiffsmitte liegt. Es sollte dann der Kielschwerpunkt auch in diesem Bereich liegen - eventuell ein wenig dahinter. So wird die einwirkende Kraft des Mastes, der vor dem Kiel steht, etwas ausgeglichen. Der fertige Rumpf sollte im Wasser entsprechend belastet werden und der Verdrängungsschwerpunkt auf diese Weise kontrolliert werden.

Ist die Rumpfschale fertig erstellt können die praktischen Versuche erfolgen. Als erstes kann die tatsächliche Verdrängung durch Zuladung von Gewichten ermittelt werden. Danach erforsche ich den Lateralschwerpunkt. Hierzu belade ich die Rumpfschale incl. fertigem Ballastkiel ohne (mit oder ohne Ruder ist hierbei noch in Frage gestellt; mit Ruder wandert der Lateralschwerpunkt jedenfalls weiter nach achtern), bis der Rumpf bis zur KWL (Konstruktionswasserlinie) eintaucht. Dann schiebe ich ihn mit einem Finger seitlich quer durch das Wasser. Hierbei sollte es sich natürlich um ein größeres Gewässer handeln als die Badewanne. Der Punkt, an dem sich der Rumpf einwandfrei quer durch das Wasser schieben lässt, ohne dass er sich verdreht, ist für mich der Lateralschwerpunkt. Zweifler können den Versuch auch beidseitig wiederholen oder - was noch besser wäre - dies mit einem um ca. 30° gekrängten Rumpf (erreicht durch zusätzlichen Trimmballast) vornehmen. Denn hierbei könnte sich eine Verlagerung des Lateralschwerpunktes ergeben. Eine Vermittlung beider Punkte wäre dann wahrscheinlich ideal (?). Nach gleichem Verfahren ermitle ich auch den Verdrängungs- schwerpunkt und bei Krängung von ca. 30° ergibt dieser Punkt für die Stabilitätsberechnung genauere Ergebnisse.

Segelschwerpunkt Als Nächstes ist der Segelschwerpunkt festzulegen. Hierbei wende ich immer die rechnerische Methode an. Dies halte ich für wesentlich einfacher als die Anfertigung einer Pappschablone, denn es kommen hierbei doch nur die Grundlagen der Geometrie zur Anwendung. Als Grundformei gilt:

Segelschwer

LG = Summe A x L / A L=Abstand von dem Messpunkt 0 A=Fläche des betreffenden Segels L=Schwerpunktabstand der Segelfläche zum Messpunkt.

Es können beliebig viele Flächen sein, ferner spielt die Form der Flächen keine Rolle, da jeweils die Fläche und der Abstand des Einzelflächenschwerpunktes zum Einsatz kommt. Zum besseren Verständnis soll Skizze 1 dienen.

S1
S2

Die Segelschwerpunkte können berechnet werden oder auch zeichnerisch ermittelt werden, hierzu müssen die Segel maßstäblich aufgezeichnet werden. Skizze 4: Der Schwerpunkt der einzelnen Flächen liegt auf der Verbindung von den Eckpunkten zur Seitenhalbierenden. Verbindet man die Flächenschwerpunkte, dann liegt der Gesamtschwerpunkt auf der Verbindungslinie im Abstand zum umgekehrten Flächenverhältnis.

Beispielberechnung Skizze 2 + 3: B1=28; H1=107; B/3=9,3; H/3=35,6 B2=40; H2=125; B/3=13,3; H/3=41,6; HSX=63; BSX=21,5; A=Segelfläche; BS2=14,5; HS2=44,7 zeichnerisch erm.; SBgesamt=Summe(AxB/3)/A =(1498x-9,3+2920x13,3)/4418 =5,6 cm Abstand vom Mast; SHgesamt=39,5 cm; Agesamt=4418cm² errechnet nach obigem Beispiel.

Die Ermittlung des Lateralschwerpunktes durch oben beschriebenen praktischen Versuch hat einen Abstand zum Heck von 45 cm ergeben. Da der Segelschwerpunkt etwas vor dem Lateralschwerpunkt liegen soll, müßte der Mast in einem Abstand von ca. 53 cm vom Heck stehen.

Stabilität (Statische Stabilität)

gaffel
krängung

Annahmen: Winddruck bei 4 Beaufort=30N/m² Krängungswinkel=30° Abstand Segelgesamtschwerpunkt zur Wasserlinie H=50 cm Veringerung der Segelfläche durch Krängung und Segelöffnungswinkel bei Wind querab=2xcos30°=0,73 Fw=Windkraft x Segelfläche x 0,73 = 30 x 0,4418 x 0,73 = 9,7 N T = 36 cm ; B = 17 N ; a = T x sin30° = 36 x 0,5 = 18 cm

 

Vereinfachte Rechnung: Fw x H = B x T > Fw = B x T / H Unter berücksichtigung der Wirkabstände > Fw = B x T x sin30° / H x cos30° > Fw = 17 x 36 x 0,5 / 50 x 0,86 = 7,1N umgerechnet auf die wirksame Segelfläche = 7,1 / 0,4418 x 0,73 = 11,7N / m² < entspricht etwa einer Windstärke von 3 Beaufort

 

Für das aufrichtende Moment bei einer genaueren Rechnung müßte man aber einsetzen: den Abstand(X) , zwischen dem Gesamtschwerpunkt(GS) und dem Gesamtverdrängungspunkt(GV). Der Gesamtschwerpunkt läßt sich bei einem Schwertkieler mit Gewichtsbombe evtl. durch ausbalancieren in waagerechter Lage des komplett aufgeriggten Bootes ermitteln. Bei Booten mit S-Spant und entsprechend kurzem Kiel wirds schwieriger. Man könnte es mit einer Bandschlaufe um den Rumpf versuchen um den Aufhängepunkt= Gewichtsschwerpunkt zu finden. Um den Gesamtverdrängungspunkt bei Krängung wird es etwas schwieriger. Hier mag es CAD-Programme geben die das können. Ich wüßte hierzu nur ein mögliches Hilfsmittel um den Punkt ungefähr zu finden. Man schneidet alle Spanten aus Pappe aus, klebt diese genau übereinander und schneidet dann an der Wasserlinie in 30° Schräglage - ermittelt durch Kästchenauszählen am Hauptspant - den Überstand ab. Nun könnte man durch ausbalancieren auf einer Nadel den Gesamtschwerpunkt ermitteln, was in etwa dem Gesamtverdrängungspunkt entsprechen würde. Dann könnte die Rechnung so aussehen: Fw = GS(4kg) x X / H x cos30° (H = in diesem Fall Abstand zwischen Segelschwerpunk und Verdrängungsschwerpunkt:

statik

 

Statik Rein statisch betrachtet ohne Abdrift könnte man davon ausgehen, daß die gesamte Windkraft von der Lateralfläche gegen Verschieben von der entstehenden Wassergegenkraft absorbiert wird. Hierbei entsteht aber ganzgewiß eine Schräglage. Wenn alle Größen Bekanntsind, könnte man nun errechnen wie groß die Schräglage sein wird wenn die Vektoren aus der Gewichtskraft gleich groß der Wasserkraft sein soll. Nach vorheriger Annahme ist die Windkraft gleich der Wasserkraft. > Fg x sin a = Fw > sin a = Fw / Fg > sin a = 7,1 / 17 = 0,42 > 25° Durch Formelumstellung wäre so auch der notwendige Ballast bei einer angenommenen Krägung errechnenbar:

 

Dynamische Stabilität Die dynamische Stabilität einer Modell-Yacht realistisch zu erfassen ist fast aussichtslos. Welche Kriterien können in Betracht gezogen werden ? Winddruck am Segel, Rigg und Überwasserschiff - gegen Lateralwiderstand des Wassers waagerecht.Das Gegenmoment errechnet sich aus der waagerechten Gewichtskraft. Ohne ersteinmal den Vortrieb der Segel zu berücksichtigen, treibt die Yacht ohne Fahrt voraus querab. Bewirken die Segel einen Vortrieb macht die Yacht Fahrt über Grund voraus und querab. Bei Wind querab zur Schiffsmitte. Um ein Ziel genau voraus zu erreichen muß die Yacht in einem gewissen Anstellwinkel das Ziel anlaufen. Und hier wirkt schon eine dynamische Kraft auf die Yacht ein, die auch schon ein Gegenmoment erzeugt. Nun kann es sein das die dynamische Kraft bei schneller Fahrt größer wird als die Abdrift und nur so ist es vorstellbar, das eine Yacht auch gegen den Wind kreuzen kann. Auch kann die Rumpfform bei Krängung und schneller Fahrt einen dynamischen Auftrieb erzeugen. -- War alles nur mal so ein Gedankenspiel. Leider gibt mein schlaues Buch von über 700 Seiten auch keine brauchbaren d.h. genaueren berechenbare Auskünfte über die dynamische Stabilität her, sondern beruft sich auf praktische Stabilitäts-Erfahrungswerte bei Serienyachten.

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